Chapter

Negore, der Feigling

Elf Tage lang war er der Fährte seines fliehenden Volkes gefolgt, und diese Verfolgung war selbst nichts anderes als eine Flucht gewesen. Denn hinter ihm kamen – das wußte er mit Sicherheit – die gefürchteten Russen. Sie schleppten sich mühselig durch das sumpfige Tiefland und über die schroffen Wasserscheiden und wurden nur von einem Gedanken geleitet: sein ganzes Volk zu vernichten. Er führte nur eine ganz leichte Ausrüstung mit sich. Ein Schlafsack aus Kaninchenfell, ein Vorderlader und einige Pfund an der Sonne gedörrter Lachs machten sein ganzes Gepäck aus. Er hätte sich über die Schnelligkeit gewundert, mit der ein ganzer Stamm – mit Frauen und Kindern und Greisen – wanderte, hätte er nicht gewußt, daß es der Schrecken war, der sie vorwärts trieb. Es war in den alten Tagen, als Alaska noch russisch war. Das 19. Jahrhundert hatte seine erste Hälfte zurückgelegt, als Negore dem fliehenden Stamme folgte. In einer Sommernacht holte er ihn bei den Quellen des Peelat ein. Obgleich es beinahe Mitternacht war, schien es doch noch heller Tag, als er durch das Lager ging. Viele bemerkten ihn. Alle kannten ihn. Dennoch wurde er nur von wenigen begrüßt. Und ihr Gruß war kalt. »Negore – der Feigling«, hörte er Illila, eine junge Frau, lächelnd rufen. Und Sunnee, die Tochter seiner Schwester, lachte mit. Bitterer Zorn fraß an seinem Herzen. Aber er ließ es sich nicht anmerken, sondern

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