Chapter

Nocturno

Dem Gedächtnis meines Freundes Hans Ehelolf Tagsüber hatte ein schwerer Sturm von Nordwesten her durchs Werratal geheult, das trockene Gezweig aus den Bäumen gerissen und den Märzstaub in langen Fahnen über die Landstraßen getrieben. Mit einsinkender Dämmerung begann es zu schneien – feuchter Schnee, der die Schutzscheibe am Wagen verklebte. Zwei Stunden zu früh war es Nacht. Die weißen Lichtkegel der Laternen zitterten hilflos in einen Schneesturm hinein, der dem starken Wagen das geruhsame Hinrollen eines Handkarrens aufzwang. Das Fahrtziel dieses Tages rückte in unendliche Ferne, lag plötzlich so weit hinter diesen ringsum in Schnee vergrabenen Hügeln, wie es dem Werratal unserer Urgroßväter entlegen war, die das Land noch maßen nach Fuß und Pferdelänge. Aber da, dort, auch jenseits des Weges blitzten jetzt Lampenlichter auf. Wenn der fauchende Wind das Schneegewölk für Augenblicke zerriß, ahnte das Auge die tröstlichen Schatten von Türmen, Dächern – eine Stadt! Wie sie heißt? Das Straßenschild war mit Schnee verhüllt. Da stapft ein Mensch, vermummt, aber ein lebender Mensch! Ich beuge mich aus dem Wagen: »Wo ist der Gasthof?« »Gradaus! Dann links!« schreit der Mann durch den Sturm, »in der Ecke am Ratsmarkt, der Belgische Hof!« Also geradeaus, dann links – da ist ein freier Platz, und das ansehnliche zweistöckige Gebäude dort muß der Gasthof sein. Im Schneegestöber ist sein

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