Die Reise des Mönchs
In dem schönen Weserthale blühte seit dem frühen Mittelalter das mächtige Geschlecht der edlen Herren von Frankenberg, das im siebenzehnten Jahrhundert in den Grafenstand erhoben worden war. Die reiche Herrschaft Frankenfelde, die jetzt landesherrliche Domaine ist, war ihr Eigenthum. An einem Sonnabende des Monats August, im Jahre 1808, war ein Franziskanermönch auf dem Wege zum Schlosse Frankenfelde, um dort am folgenden Morgen die Messe zu lesen. Er kam aus einem Kloster auf der anderen Seite der Weser, das schon seit langen Zeiten jeden Sonnabend einen Mönch nach Frankenfelde sandte, daselbst den sonntäglichen Gottesdienst zu besorgen. Warum schon seit vielen Jahren nicht mehr, wie früher, ein eigner Hausgeistlicher im Schlosse war, – darüber wurde in der Gegend viel gesprochen. Der Mönch, welcher sich auf dem Wege nach Frankenfelde befand, war ein langer, hagerer, alter Mann; seine wenigen Haare, die ihm die breite Tonsur auf dem Haupte gelassen hatte, waren schneeweiß. Er schien gleichwohl noch kräftig zu sein und schritt rüstig einher, ohne auf den schweren Knotenstock, den er in der Hand trug, sich stützen zu müssen. Er mußte in früheren Jahren eine hohe, stolze Gestalt gewesen sein, denn er erhob sich noch manchmal plötzlich wie hoch und stolz in der groben grauen Mönchskutte, und die alten dunklen Augen blitzten dann wunderbar in dem blassen Gesichte. Es war später