Chapter

Ninon

Der kleine Kreis treuer Hausfreunde, der sich jeden Donnerstag am späten Abend bei Frau von F. zu versammeln pflegte, hatte sich auch heute eingefunden: der alte kahlköpfige Oberst, den die Gicht gezwungen hatte, seinen Abschied zu nehmen, der aber den Frauendienst bei seiner Jugendfreundin selbst bei dem rauheften Wintersturm nicht versäumte; der grauhaarige Musikus, Componist und Lehrer der Harmonie am Conservatorium, mit dem die alte Dame bis in die letzten Jahre, wo ihre Augen ihr den Dienst versagten, vierhändig zu spielen gepflegt hatte; endlich der Jüngste in dem Quartett, auch schon im Beginne der Fünfzig, der Professor der Zoologie und Biologie an der Hochschule, der Benjamin der kleinen Gesellschaft, der sich von den drei Andern zuweilen im Scherz sagen lassen mußte, daß er noch nicht alt genug sei, um über gewisse Lebensfragen und historische Ereignisse mitsprechen zu können. Man kam erst nach neun Uhr zusammen, da der verehrten Hausfrau ein Gefallen damit geschah, wenn ihr einige Stunden ihrer vielfach schlaflosen Nacht durch ein angeregtes Gespräch verkürzt wurden. Sie schickte dann ihre Gesellschafterin, ein feines, etwas bleichsüchtiges Fräulein, zu Bett, nachdem diese den Thee bereitet hatte, und es wurde dann manchmal ein, zwei Uhr, ehe die Herren sich verabschiedeten. Sie thaten das nie, ohne sich, während sie die Treppe hinabgingen, darüber auszusprechen,

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