Das Erwachen
Wirth drehte den Schlüssel, und die Tür öffnete sich, nicht nach innen oder außen, sondern in eine Richtung, die es nicht geben sollte — eine Richtung, die sein Verstand nicht verarbeiten konnte und die sein Körper als Schwindel interpretierte. Hinter der Tür war kein Wasser, sondern eine Halle, so groß wie eine Kathedrale, und in der Halle lag der Schatz.
Gold. Nicht wie in einem Museum, geordnet und beschriftet, sondern aufgetürmt in Haufen, die bis an die Decke reichten — Ringe, Ketten, Becher, Rüstungen, Waffen, Kronen, alles aus einem Gold, das so rein war, dass es nicht glänzte, sondern leuchtete, als trüge es sein eigenes Licht in sich. Und zwischen dem Gold, auf einem Thron aus Drachenknochen, saß eine Gestalt.
Sie war nicht lebendig, nicht im gewöhnlichen Sinne. Aber sie war auch nicht tot. Sie saß da, die Augen geschlossen, die Hände auf den Armlehnen, und ihr Brustkorb hob und senkte sich in einem Rhythmus, der so langsam war, dass man ihn nur bemerkte, wenn man lange genug hinsah. Der Schlüssel in Wirths Hand wurde heiß, dann kalt, dann zerbrach er, und die Gestalt auf dem Thron öffnete die Augen. Sie waren gold, wie der Schatz, und alt, älter als der Rhein, und sie sahen Wirth an mit einem Hunger, der tausend Jahre geschlafen hatte und nun erwachte.
