Der Schluessel
Professor Wirth fand den Schlüssel in einem Antiquariat in Worms, zwischen alten Landkarten und vergilbten Stichen, die den Rhein zeigten, wie er vor Jahrhunderten ausgesehen hatte. Der Schlüssel war aus einem Metall, das Wirth nicht identifizieren konnte — schwerer als Gold, dunkler als Eisen, und warm, als hätte jemand ihn die ganze Zeit in der Hand gehalten, obwohl er seit Jahren in einer Schublade gelegen haben musste.
Wirth war Archäologe, spezialisiert auf das frühe Mittelalter, und er hatte dreißig Jahre seines Lebens damit verbracht, die Orte der Nibelungensage zu kartieren — die Stellen am Rhein, an denen Siegfried getötet worden sein könnte, die Hügel, unter denen Hagen den Schatz versenkt haben könnte, die Ruinen, die vielleicht einmal Burgen gewesen waren, in denen Kriemhild geweint und Brünhild gelacht hatte.
Der Schlüssel trug eine Inschrift, die Wirth erst nach drei Tagen entziffern konnte — altnordische Runen, vermischt mit einem Zeichensystem, das er noch nie gesehen hatte. Die Übersetzung war einfach und erschreckend zugleich: Wer öffnet, weckt. Wirth legte den Schlüssel auf seinen Schreibtisch und starrte ihn an, und der Schlüssel schien zurückzustarren, geduldig und erwartungsvoll, wie ein Tier, das weiß, dass sein Herr bald kommen wird.