Erstes Kapitel
Und was ist denn an diesem neuen Buche, von dem die Welt so viel Wesens macht? – Oh! es ist ganz aus dem Lothe, gnädiger Herr – ein durchaus unregelmäßiges Ding – keiner von den Winkeln an den vier Ecken ein rechter. Ich habe mein Lineal und meinen Zirkel in der Tasche, gnädiger Herr. – Vortreffliche Kritik! Gib mir Geduld, gerechter Himmel! Von allem Gesalbadern in dieser salbadernden Welt ist vielleicht das Salbadern der Heuchler das schlimmste, das des Kritikers aber das peinlichste. Sterne. Was die Autoren im Allgemeinen bei der Sache fühlen mögen, weiß ich nicht, aber als ich so vorschnell zu meiner Feder griff, habe ich die Entdeckung gemacht, daß es in einer Novelle drei Theile gibt, in denen man es nur mit großer Schwierigkeit einem ekeln Publikum recht machen kann. Der erste ist der Anfang, der zweite die Mitte und der dritte das Ende. Jener Maler des Alterthums, der seine Leinwand der öffentlichen Kritik preisgab und zu seinem tiefen Schmerze finden mußte, daß in seinem ganzen Gemälde auch nicht ein Pinselstrich war, der nicht von dem einen oder andern Asterkritikus für mangelhaft erklärt wurde, erstand keine schwerere Pein, als mir durch die ungebetenen Bemerkungen meiner – möge sie der Henker holen – »wohlmeinenden Freunde bereitet wurde«. »Ihr erster und zweiter Band gefällt mir,« sagt eine lange, kurzsichtige Blaustrümpflerin mit spitzigem Kinn und in Gelb