Chapter

1. Kapitel. Der Dreimastschoner "Angelika"

Eben hatte Jochem Bergel den Kindern wieder Mut zugesprochen und ihnen wie schon so oft in diesen furchtbaren acht Tagen sichere Rettung in Aussicht gestellt, als die kleine Elise zu singen begann, erst nur leise, dann immer lauter, - allerlei Kinderlieder, während ihre Augen in dem verfallenen Gesicht groß und weit mit irrem Flimmern geradeaus in den wolkenlosen, klaren Himmel gerichtet waren. Den Matrosen überlief es trotz der glühenden Hitze, in der das Boot fast regungslos auf der ruhigen See lag, eiskalt, als ob man ihm mit einem Eiszapfen das Rückgrat entlangstreiche. - Das war das Ende - ohne Zweifel! Der jugendliche Organismus des kleinen Mädchens versagte zuerst ... Der Wahnsinn des Durstes hatte seine Krallen nach dem Kinde ausgestreckt. Geradezu schauerlich klang das feine Stimmchen in dieser trostlosen Stille, die nur ganz selten ein leises Glucksen an den Bordwänden des Bootes unterbrach. Jochem Bergel schaute zu Luschels Bruder, dem ein Jahr älteren Martin hinüber. Der hockte dicht neben der Schwester unter dem als Sonnendach aufgespannten Segel mit geschlossenen Augen, hörte wohl kaum noch etwas oder war bereits zu erschöpft, um die Lippen öffnen zu können. Der Matrose faltete unwillkürlich die Hände. Er betete - inbrünstig und gläubig, wie seine Mutter daheim es ihn gelehrt hatte, die ihren Einzigen so ungern den selbsterwählten, schweren Seemannsberuf ergreifen

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