Die Friedensfarbe in der Tierwelt.
Kriege werden seit Urzeiten in der Tierwelt geführt, und man sollte meinen, daß, wo es Kriege gibt, auch der Friede nicht unbekannt sein könnte. Selbstverständlich ist ein Friede zwischen Raubtieren und Pflanzenfressern ausgeschlossen – das liegt in der Natur der Sache. Schon der alte Homer hat diese Wahrheit erkannt und läßt den grollenden Achilles sich ablehnend zu Hektors Friedensvorschlägen äußern: Wie kein Bund die Löwen und Menschenkinder befreundet, Auch nicht Wölf' und Lämmer in Eintracht je sich gesellen; Sondern bitterer Haß sie ewig trennt voneinander: So ist nimmer für uns Vereinigung oder ein Bündnis. Nur satte Raubtiere sind friedfertig, was schon den Alten aufgefallen ist. Hat sich der Wolf voll und dick gefressen, schreiben sie, so ist er so zahm wie ein Lamm. Die Pflanzenfresser haben ein vortreffliches Verständnis dafür, ob ein Raubtier gesättigt ist, was man oft bewundern kann. Doch das sind vorübergehende Ausnahmezustände, während deren ein Raubtier Frieden halten will, die hier nicht in Betracht kommen. Kämpfe gibt es ferner bei derselben Tierart alljährlich um die Gunst der Weibchen. Vom Löwen bis zum Hasen kämpfen die Männchen erbittert untereinander. Diese Kampfzeit dauert gewöhnlich nur einige Wochen, und der Friede kehrt ganz formlos wieder ein, indem sich die bisherigen Gegner aus dem Wege gehen oder ihre Streitaxt begraben. Auch hier finden wir also