Chapter

Herodes und Diogenes

Es dunkelte, der Nordwind stürmte, der Schnee knisterte unter den Fußtritten der Menschen, welche mit hurtigem Schritte heim zu dem warmen Ofen und dem hellen Lichtschimmer der Lampe eilten. Aber nicht Alle in der großen, volkreichen Hauptstadt haben eine warme mit freundlichem Lichtschimmer erfüllte Stube, in der sie sich behaglich und heimisch fühlen können, wenn es draußen große Flocken schneit, der kalte Wind um die Ecke jagt und der düstere Winterabend hereinbricht.... Zu diesen Armen gehört wohl auch der kleine Knabe mit den hellen, blauen Augen, welcher dort vor dem durch Gasflammen glänzend erleuchteten Spielwaarenladen steht und mit kindlicher Verblüfftheit durch die großen Fensterscheiben auf die bunten Puppen, Hanswürste, Schaukelpferde, Lämmer, Reiter, Fahnen und Trommeln hinstarrt.... Schon die ärmliche Kleidung des Kindes sagte, daß seine Händchen nie ein solches Spielzeug berührt, daß ihm alle diese Dinge so unbekannte Herrlichkeiten waren, wie es einst die Glasperlen und Spiegel den Bewohnern des neuentdeckten Westindiens... Doch die Kleidung des Kindes war nicht allein ärmlich, sie hatten auch einen sehr sommerlichen Charakter, von der dünnen, grünen Kattunkutte an, bis herab zu den fadenscheinigen geflickten Casinethöschen und den zerrissenen Zeugstiefelchen, welche offenbar aus einem Trödlerladen stammten und einst in bessern Tagen den niedlichen Fuß einer

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