Neue Lieder und Mären
Wieder nahte sich die Muse, Winkend aus der Höhe mir, Und, erfüllt von ihrem Gruße, Schlug ich auf den Blick zu ihr. Langverwehter Jugendlieder Wonneschauer mich durchdrang, Als mir ihre Stimme wieder Traut und doch so hehr erklang. Horchend lauscht' ich jedem Worte, Das sie liebreich zu mir sprach, Und noch stets an stillem Orte Hallt mir's in der Seele nach. »Was ich einst dir aufgetragen,« Rief sie, »galt dir als Gebot, Und doch seh' ich oft dich zagen Wie vor aufgesparter Not. »Aber lächeln dein auch viele, Da dein Haar schon fast ergraut, Schläft in deinem Saitenspiele Doch noch mancher helle Laut. »Fürchte nicht des Schaffens Grenze Und verstumme nicht zu bald, Und zumal nicht, wenn im Lenze Neu ergrünen Berg und Wald! »Da du lerntest zu verzichten, Braucht dir nimmer bang zu sein: Nicht auf jene, die dich richten, Achte auf dein Volk allein! »Aus dem Herzen wirst du singen, Manchem, der dein Lied vernimmt, Und so wird es weiter klingen, Schlicht, wie du es angestimmt.« Wolkenloses Morgenlicht, Atm' ich dich im Kühlen, Mächtig aus der Seele bricht Altes Jugendfühlen. Ja, ich bin noch, der ich war, Einst in jenen Tagen, Da sich machte offenbar Heiß des Herzens Schlagen. Trotz der Jahre blieb ich doch, Der ich ward geboren; was ich liebte, lieb' ich noch – Nichts ging mir verloren. Jüngst im Traume stieg ich nieder In mein fernes Jugendtal, Wo ich sang die früh'sten Lieder,