Eisiks Brille
Warum läßt Gott die alten Leute aussterben und mit ihrem schönen weißen Haar in die Erde legen? Warum schont er nicht ihrer, wie er des Baumes schont, den er grünen, blühen und duften läßt, selbst wenn das grimmige Feuer des Himmels an dem knorrigen Stamme gezehrt hat? Es mag sein, daß er das Höhere und Feinere eher zu sich beruft, eben weil es so ist – aber kurzsichtig, wie wir sind, mit Gemütern, die zwischen dem Heute und Morgen auf- und niederschwanken, begreifen wir nicht, warum das Naturgesetz unsern »alten Leuten« ein so kurzes Ziel gesteckt hat. Nachgleitend, wie ein dunkler Schatten um die Zeit des Abends, folgt ihnen der Spruch des unsichtbar in den Höhen und Tiefen waltenden Richters: »Siebzig Jahre! und wenn's hoch kommt, achtzig!« Und ihr »Stolz« ist nicht immer »Trübsal und Mühsal!« Mitten in der Gewalt eines vollsäftigen Daseins werden sie gefällt; kein Baum im Walde ist so knorrig als oft mancher alte Mensch, so lebengetränkt vom Scheitel bis zur Fußspitze. Warum läßt Gott die alten Menschen aussterben? Ich möchte das gerne wissen, lieber fast als tausend andere unnütze Dinge, an denen ich im Grunde keine Freude habe. Aber an euch hatte ich Freude, ihr alten Leute aus meiner Kindheit! um euretwillen hätte ich das gerne gewußt. Ihr waret von jeher meine Lieblinge, und wenn einer von euch gegen mich »dort oben« zeugen sollte, so zeuge er, ob ich jemals vergessen,