Erstes Kapitel
Die Polonaise aus Meyerbeers »Prophet« rauschte durch den goldenen Saal des Fürstenschlosses zu Bithoor. Von dem Orchester brausten die Klänge – ein Preuße, der Berliner Damerow, dirigierte die englische Militär-Kapelle, die er geschaffen in dem fremden Weltteil. Ein buntes Gewühl von glänzenden europäischen Uniformen, Damentoiletten und orientalischen Trachten erfüllte den weiten prächtigen Saal. Volle sieben Monate waren vergangen seit jener Nacht, da der Nena ein Thug geworden. Der Palast von Bithoor hatte seine goldenen Thore längst wieder dem leichten Volk der Schmeichler und den gelangweilten stolzen Gebietern des Landes geöffnet. Niemals seit jenem Abend, an welchem die beiden Offiziere auf Befehl des kommandierenden Generals von Cawnpur den flüchtigen Sikh-Prinzen im Bungalow Nena Sahibs suchten, hatte das Auge eines Engländers die unglückliche Gattin des Maharadschah wieder erblickt. Der Fürst war am andern Tage in Cawnpur erschienen, um bei den Behörden strenge Verfolgung der Bheels zu verlangen, von denen nach seiner Anzeige viele Mitglieder zur Sekte der Phansigars gehörten und deren räuberischen Streichen er die Entführung und die Vergiftung seiner Gattin zuschrieb, infolge deren ihr Verstand und ihr Gedächtnis zerstört sei. Der ehrliche Zorn General Wheelers, unterstützt durch den Eifer des Residenten, der jeden Verdacht von sich ablenkte, hatte die strengste