Der Falke und der Thug
Fünf Jahre waren vergangen seit jener Nacht auf St. Helena. – Im Dickicht einer am Rande des Thur, der indischen Wüste, gelegenen indischen Dschungel, am Hang eines Hügels, der von Tamarinden besetzt war, zwischen deren Kronen ein riesiger Pisang die kolossalen, sechs bis acht Fuß langen Blätter breitete, lag ein Mann in halb europäischer, halb indischer Kleidung, das gigantische Chaos der Vegetation um sich her mit sinnenden Augen betrachtend. Die versengende Hitze des Mittags hatte ihn genötigt, hier Schutz und Ruhe zu suchen. Im Bereich seiner Hand lag die sichere Büchse; das offne, hübsche, gebräunte Gesicht auf den Arm gestützt, schaute er träumerisch auf das überreiche, wunderbare, unerschöpfliche Pflanzenund Tierleben, das ihn umgab. Er war offenbar ein Europäer, wie die Bildung seines, obschon von der Sonne Indiens tief gebräunten Gesichts und, wie gesagt, seine Kleidung bewies; sein Alter mochte nicht über 35 Jahre hinaus gehen. Er trug einen breiten Strohhut, einen englischen Jagdrock und weite Beinkleider; die Kleidungsstücke waren leicht und dem heißen Klima angemessen, während eine zusammengerollte wollene Decke, eine gefüllte Jagdtasche auf dem Rasen, und eine daneben ausgebreitete Karte der Präsidentschaft Bombay und des Pendschab mit einem kleinen Taschenkompaß bewies, daß er ein Reisender sei. Der Fremde war damit beschäftigt, einen prächtigen großen Edelfalken