Erster Teil
Ihre Mutter kam in die Küche, betrachtete die wenigen glänzenden grünen Erbsen, die kaum noch den Boden des Napfes bedeckten, blickte dann auf den Haufen geschlossener Schoten im Korb und rief mit nachsichtigem Lächeln: »Naomi!« Wenn sie einen so schonungsvollen Tadel aussprach, wurde das ›O‹ in dem Namen ihrer Tochter ganz besonders klingend und gedehnt. »Ja, Mädel, woran denkst du bloß?« Während Naomi eine neue Schote aufdrückte und fünf Erbsen in den Napf rollen ließ, lachte sie halblaut vor sich hin. Wenn sie nun ihrer Mutter wirklich sagen würde, woran sie dachte? Ihr Lächeln wurde sehnsüchtig, ihr Blick folgte dem Lauf des Baches, dessen Windungen durch die Bäume schimmerten, und in ihren Gedanken erstand jene einsame Uferstelle, über der ein so betäubender Duft von Narzissen lag … Die Mutter betrachtete sie, wie sie träumerisch über die grünen Schoten gebeugt dasaß, und sagte bloß hilflos und schwach: »Ach Gott …« Sie hatte eine ganz eigene Art, ihren Kummer in diese zwei Worte zu legen, wenn ihr ein Kuchen nicht gelingen wollte, oder wenn sie sich anderen wichtigen Lebensfragen gegenüber sah, die sie nicht zu meistern vermochte. Nachdem sie sich aber durch einen Blick nach dem Herd überzeugt hatte, daß ihr Kuchen diesmal nichts zu wünschen übrig ließ, fuhr sie heiterer fort: »Nun, Rosie wäre mit den Erbsen schon längst fertig.« Naomi lachte. Natürlich wäre ihre kleine