I
Man schrieb das Jahr 1580, und es war Sonnwendtag. Aus der Tiefe unermeßlicher Forste wölbte sich zwischen schwarzgrünen Wipfeln hoher Tannen und hellgrün leuchtenden Kronen mächtiger Eichen und Buchen die kahle Kuppe des Hügels empor gleich einem Schädeldache. Fern im Westen, über den langgestreckten Waldbergen, neigte sich die Sonne hinter zerrissenen Wolken ihrem Niedergange entgegen. Sie zog Wasser, und vor den düstern Schluchten hingen gigantische Schleier. Gegen Mitternacht dehnte sich das bewohnte Land hinaus in verschwommene Weiten: smaragdgrüne Matten, flimmernde, lichtfunkelnde Felder, künstliche Weiher, anzuschauen wie grauglänzende Glastafeln, blinkende Dörfer und Märkte. Und im Thale drunten, über dem vielgekrümmten Flüßlein, lag, umschlungen von ihrem Wassergraben, eingepfercht in ihre zackigen Ringmauern, zu Füßen des großen, uralten Schlosses die kleine Stadt, und ihre spitzigen Türmchen und hochgiebeligen Häuser reckten sich trotzig empor in die Abendluft. Auf dem höchsten Punkte der Hügelkuppe schichteten höfisch gekleidete Knechte dürres Holz und Reisig zu einem niederen Stoße, und ein dicker Vogt gab ihnen Weisung. Abseits am Waldrande schmückten lachende Mägde eine gebräunte Holzschenke mit Kränzen und Laubgewinden, und in den Wipfeln und Kronen summte leise der Frühlingswind. »So, der hat die richtige Höhe!«sagte der Vogt, trat ein paar Schritte zurück,