Chapter

Einundzwanzigstes Kapitel. Unter dem Stadtgraben.

Das Haus, in welchem die Jungfer Kiliane wohnte, war, wie überhaupt die meisten, die, von der Stadt aus gerechnet, diesseits des alten Grabens standen, uralt und zählte noch mehr Lebensjahre, als das Kloster selbst. Es war versehen mit jenem hohen und spitzen Giebeldache, wie es die Alten so gern auf ihre Häuser setzten, mit mehreren Etagen, Böden und Kammern; dasselbe hielt das Haus warm, schützte es vor allen Winterstürmen und es stund darunter da, wie mit einer riesenhaften und warmen Schlafmütze versehen. Im Hofe dieses Gebäudes befanden sich Wagenschuppen, Holzremisen, die, obgleich sie einer viel, viel späteren Zeit angehörten, doch neben dem gesunden und soliden Hauptbau krüppelhaft und altersschwach dastanden. Auf diesen Remisen waren ein Paar Zimmer, die einmal von einem Handelsherrn erbaut worden, der, im Vorderhause wohnend, im Hintergebäude seine Schreibstuben haben wollte; auch hatte er eine Gallerie bauen lassen, durch welche die verschiedenen Gelasse mit einander verbunden wurden. Nachdem aber nach einer Reihe von Jahren das Geschäft des Kaufmannes in dem Vorderhause aufgehört, wurden die Stuben im Hintergebäude vermiethet – zuerst an ordentliche Leute, solange sie gut aussahen; später, als die Tapeten nach und nach alt wurden, als man die zerbrochenen Fenster nur noch nothdürftig flickte, als die alte Treppe wackelte und unter jedem Fußtritt knarrte, da kam das

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