Erstes Kapitel. Unter dem Stadtgraben.
Es mag wohl manchem unserer Leser ergehen wie uns, daß er sich nämlich beim Anblick alter, zumal verfallener Gebäude und bei Spaziergängen auf wüsten Plätzen, die früher von einiger Bedeutung waren, unwillkürlich aber gern der Vorzeit erinnert, welche jene alten halbverfallenen Gelände bevölkerte und in glänzenden Gewändern voll Lust und Freude über die jetzt so öden Plätze dahinschritt. In unserer Umgebung, und wohnten wir auch in der kleinsten Stadt, ist so Manches, das durch sein Aussehen fremdartig in unser Leben hereinblickt. Sind es nicht alte Schlösser, welche Kunst und Fleiß der Vorfahren mit riesenhaften, reichverzierten Thorwegen, mit Statuen und Sculpturen aller Art geschmückt, so ist es ein einsamer Marktbrunnen mit Röhren in Gestalt fabelhafter Unthiere, aus denen das Wasser sprudelt, oder eine alte Rittergestalt, die sonderbar lächelnd auf die neue Generation herabblickt, welche sie umgibt und nicht selten ebenso verwundert hinaufschaut. Die alten Häuser rings um den Brunnen sind dieselben geblieben, und an hohen Giebeln hängen in den willkührlichsten Gestalten allerlei Dachrinnen-Thiere, die so häßlich, wie sie der Künstler geschaffen, nie existiren konnten; die Kirchthurm-Uhr hat denselben bekannten Klang, wie vor vielen hundert Jahren, nur ist sie vor Alter etwas heiser geworden; die Thüren da unten öffnen sich auf dieselbe Art wie früher, und die Bewohner der