Chapter

Claus Tinnappel

Erstes Kapitel »Die macht Claus Tinnappel auch noch zum Flederwisch . . . das ist ein Galgenvogel . . . kaum zwanzig is' se . . . und zwei Männer liegen schon im Erdboden eingescharrt . . . die wird ihre Schlingen schon um den jungen Kerl zu werfen wissen . . . die hat auch in Trauerkleidern Courage.« Es war Nacht. Die mürrische Erzählung machte eine quarrige Stimme, die aus einem vorgebeugten, mageren, grauen Schädel kam, dessen blinzelnde Augen in ein kleines, wieder neu sprühendes Waldfeuer sahen. Die harten Hände rissen frische Fichtenzweige umständlich und fest aus einem mächtigen Reisighaufen heraus und deckten sie gemächlich über die sausenden und krachenden Dunkelflammen. Der alte Buchwald ragte gegen die graue Dämmerluft und den Schein der jagenden Funkenschwärme, die stumm und geisterhaft über die Waldgräser hinschwebten. Es war hoch oben im Forste. Die Lichter fern in der Tiefe der Täler waren erloschen. Der Waldboden war kühl und feucht. Er atmete erdigen Wohlgeruch. Die Sträucher der Rehheide flüsterten am Hange. Sie schienen unter den bleichenden, starren Sternen wie geheimnisvoll erglüht, als wären goldblinkende Gewirke weit hin am Waldsaum gebreitet. Die Schutzhütte stand offen. Nur der alte Totengräber ging vor der Hütte ums Feuer. »Die macht Claus Tinnappel auch noch zum Flederwisch . . . das ist ein Galgenvogel . . . und die Alte ist eine Hexe oder Eule . . .

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