Vorwort
Frau Dr. Caroline Abbot in treuer Freundschaft der Verfasser. »Nachtschmetterlinge« habe ich die nachfolgenden Blätter genannt, weil für sie nur die stille Nacht übrig geblieben, um darin auszufliegen. Der Tag mit seiner Arbeit und Unruhe, mit seinem Kommen und Gehen der Menschen läßt – und soll auch, wenn man ein Amt hat – schließlich keine Zeit lassen zu dem, was doch mehr oder minder Schmuck, Erholung und Spielwerk ist. Wessen Beruf das Bücherschreiben ist, bei dem ist's freilich etwas Anderes; er darf sich einschließen und »Selbstverleugnung« üben – d. h. sich verläugnen lassen. Das geht nun einmal bei unser Einem nicht, der seine Selbstverläugnung zumeist darin zu beweisen hat, daß er sich ohne Murren stören läßt. »Nur zwei Minuten« – ja – aber diese sind hinreichend, um die Gedankenfäden abzuschneiden, die so leicht sich nicht wieder knüpfen. Es ist gerade, als träte Einer in ein Telegraphenbureau und sagte: »Nur eine Minute«, und schlüge den ganzen Apparat entzwei. Freilich eine Minute, die aber Stunden kostet. So bleibt mir denn nur zu solcher Arbeit die stille Nacht, die sonst Niemandes Freund, aber doch solchen Erholungen hold ist. Beim offenen Fenster und Lampenschein fliegen auch Schmetterlinge von draußen herein, die im Sonnenschein des Tages sich tummelten. So ziehen in stiller Nacht die Eindrücke des Tages durch Herz und Sinn, die ich hier eingefangen habe. Es