Die Konfrontation
Der sechste Neumond kam, und Dorner war bereit. Er hatte den Mann identifiziert — Stefan Riedl, offiziell tot seit 1989, inoffiziell lebend in einer Wohnung in Spandau, die er unter falschem Namen gemietet hatte. Dorner postierte seine besten Leute, alle in Nachtsichtgeräten, denn gegen einen Mann, der im Dunkeln sehen konnte, brauchte man Technologie, die den Vorteil ausglich.
Riedl kam um Mitternacht, wie erwartet, wie immer. Er bewegte sich durch die Straßen wie ein Schatten, fließend und lautlos, und Dorner beobachtete ihn durch das grüne Bild des Nachtsichtgeräts und fragte sich, ob das, was er sah, noch ein Mensch war oder schon etwas anderes — etwas, das man geschaffen und dann vergessen hatte, wie ein Werkzeug, das man in einer Schublade zurücklässt.
Die Festnahme war kurz und leise. Riedl wehrte sich nicht. Er stand in der Dunkelheit, die Hände erhoben, und sah Dorner an mit Augen, die im Nachtsichtgerät wie zwei Monde leuchteten. Er sagte nur einen Satz: Endlich seht ihr mich. Dorner führte ihn zum Wagen, und auf dem Weg dorthin erzählte Riedl von den Experimenten, von den Nächten im Labor, von den dreißig Jahren im Dunkeln, in denen er gelernt hatte, die Dunkelheit nicht nur zu sehen, sondern zu werden. Er hatte getötet, weil es das Einzige war, das ihn sichtbar machte — eine Spur, ein Zeichen, ein Beweis, dass er existierte. Dorner hörte zu und sagte nichts, weil
