Die Spur
Die Spur kam von einer unerwarteten Seite. Eine Augenärztin in Kreuzberg meldete sich bei der Polizei und berichtete von einem Patienten, der vor drei Monaten ihre Praxis besucht hatte — ein Mann mit einer Augenanomalie, die sie in ihrer gesamten Laufbahn noch nie gesehen hatte. Seine Pupillen reagierten umgekehrt auf Licht: Sie weiteten sich bei Helligkeit und verengten sich im Dunkeln. Er konnte in der Nacht sehen wie ein Tier.
Dorner recherchierte und fand eine medizinische Studie aus den achtziger Jahren, die von einem Forschungsprojekt berichtete, das Soldaten mit Nachtsichtfähigkeit ausstatten sollte. Das Projekt war offiziell eingestellt worden, aber die Akten waren unvollständig, und die beteiligten Ärzte waren tot oder verschwunden. Einer der Probanden, ein junger Mann von damals achtzehn, war nie entlassen worden. Sein Name war in den Akten geschwärzt.
Die Augenärztin erinnerte sich an den Patienten — groß, ruhig, höflich, mit einem Gesicht, das man sofort vergaß, weil es so durchschnittlich war wie ein Passfoto. Er hatte bar bezahlt und keinen Namen hinterlassen. Aber die Praxis hatte eine Überwachungskamera, und auf dem Bild war ein Gesicht, das Dorner durch jede Datenbank jagte, die ihm zur Verfügung stand.