Chapter

Erstes Kapitel

Ich bitte um Entschuldigung, wenn das erste Wort des Anfangs meine eigne Persönlichkeit bezeichnet. Aber ich halte dafür, daß ein überängstliches Vermeiden solches Beginns einer falschen Bescheidenheit entspringt, die wir weniger im Denken als im Schreiben anzuwenden besorgt sind. Da ich jedoch zu schreiben beabsichtige, wie ich denke, wie in Wahrheit die Welt sich mir darstellt, die ein ungeheures kreisendes Rad ist, das sich doch stets und überall nur um die kleine, gebrechliche Achse des Ich dreht und auch nur aus der tausendfältigen Verschiedenheit der Augen des letzteren seine eigenen tausendfach wechselnden Farbenspiele herleitet, so verschleiere ich meine Geschichte nicht unter dem Deckmantel eines fremden Namens, sondern beginne damit, daß »ich« sie so erlebt habe. Es gab eine Zeit, in welcher der klassisch gebildete Deutsche ein derartiges Unterfangen mit dem nationalbescheidenen Zitat: »Quod licet Jovi, non licet bovi« abgetan hätte. Diese Lehre in weiterer Ausdehnung bildete allerdings einen Teil der Mitgift, die meine Geburt mir in die Wiege gelegt, oder vielmehr, da jener unpersönliche Begriff sich gegen solchen Vorwurf nicht rechtfertigen kann, die mir die männlichen Ammen eines heranwachsenden Kindes – viri doctissimi et illustrissimi in der Kunstsprache benannt – als altehrwürdig überlieferten Grundsatz ins Gemüt geprägt haben. Es war das gleichfalls ein Ausfluß

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