Die Reise nach Tiflis
Am Sonnabend Mittag, den 25. Juli, gingen wir, meine Frau und ich, in Konstantinopel an Bord der »Carintia«, eines kleinen schmucken Dampfers des Österreichischen Lloyd, der uns durch das Schwarze Meer nach Batum bringen sollte. Im Sommer des Jahres 1914 hatte bekanntlich die Türkei, dem Drängen Deutschlands und Rußlands nachgebend, durchgreifende Reformen in Ost-Anatolien, das in der Hauptsache von armenischen Christen und von Kurden bewohnt wird, zugesagt. Drei Monate lang hatte ich diese mich interessierende Frage in Konstantinopel studiert. Zwei europäische Generalinspekteure für Ost-Anatolien, ein Norweger und ein Holländer, waren derweil von der Hohen Pforte ernannt worden. Der eine sollte seinen Sitz in Trapezunt, der andere in Wan haben. Mitte Juli waren sie mit ihrem Gefolge nach Anatolien abgereist. Am 25. Juli wollte ich ihnen nachreisen und einen Einblick in ihre Arbeit gewinnen. Da es eine ausgiebige Forschungsreise werden sollte, war am 20. Juli meine Frau aus Neuyork zu mir nach Konstantinopel gekommen. Wir wollten zunächst nach Wan am Wansee reisen. Um dorthin zu gelangen, gab es zwei Wege. Entweder fuhr man zu Schiff nach Trapezunt und reiste dann zu Wagen oder zu Pferd über Erzerum nach Wan. Das dauerte von Trapezunt aus etwa dreiundzwanzig Tage, also eine sehr umständliche und sehr beschwerliche Reise. Oder aber man fuhr zu Schiff nach Batum, benutzte von