Nach Jahren
Das Thal von Davos im schweizerischen Canton Graubünden ist berühmt als einer der wirksamsten klimatischen Kurorte für Brustkranke. Im Winter und im Sommer halten die Leidenden sich hier auf, Genesung suchend, und Viele, gewiß sehr Viele finden sie. Sie finden sie in dem Thale, das nicht schön ist, das nahe an fünftausend Fuß über dem Meeresspiegel gelegen, eingefaßt wird von Bergen, deren Gipfel noch manches Tausend Fuß höher emporragen, in einer Umgebung, die nackt und kahl, einförmig und eintönig, dunkel und düster ist. Die Wiesen des Thalgrundes tragen keine Blumen; in den wenigen Gärten zwischen den Häusern zeigen sich nur verkrüppelte Stauden und Bäume, mit harten Blättern, mit Knospen, die zur Blüthe sich nicht entfalten können; Früchte tragen sie nie. Und die hohen Bergrücken da ringsumher, sie sind wohl mit Gruppen von schwarzen Fichten bedeckt, zwischen denen graue Felsmassen und Felsblöcke hervorstarren, aber Leben und Bewegung ist auch da nicht; kein Blatt grünt, kein Vogel singt; am Boden sieht man nicht einmal das graue Haideblümchen, das die grauen westfälischen Hürden belebt; man hört nur den Wind zwischen den Fichten schwirren und an den Felsen vorüberstreichen, und der Wind ist scharf und kalt. Und die Sonne scheint in das Thal so klar und so warm hinein und belebt und würzt die reine Luft des Thales und der Höhen, daß die kranke Menschenbrust sie wollüstig