Erster Brief
Sachsenhagen, am 1. Mai So bin ich denn glücklich hier angelangt, teurer Freund, und wenn die Götter es wollen, so mag von nun an mein Leben sanft und leise dahin fließen, und halkyonische Bläue über meinen Tagen leuchten. Ich bin mit meiner häuslichen Einrichtung beinahe vollständig fertig, und es ist damit bei weitem besser ergangen, als ich mir vorstellte. Die Bücherkiste ist ausgepackt, und der ziemlich moderduftige Inhalt derselben in Reih und Glied aufmarschiert; ich weiß, auf welche Art das Thürschloß am besten sich schließen, und durch welchen Handgriff die Fenster am leichtesten sich öffnen lassen. Meine Pfeifen, meine Büchse und Hirschfänger haben ihre Plätze erhalten; – kurz alles ist in der besten Ordnung, und ich fühle mich sehr behaglich. Es ist Mittwoch, und ein prachtvoller Frühlingsnachmittag; die Schule liegt so still da, wie ein ausgeflogenes Vogelnest, und der alte Famulus in Hemdsärmeln guckt aus dem Fenster neben der Eingangsthür und lüftet grüßend die weiße Zipfelmütze, als er seinen jüngsten Kollaborator gegenüber erblickt. Doch ich muß Dir, mein Sever, schildern, was ich von meinem Fenster aus erblicke. Ein hübsches Bild! Auf einen ziemlich viereckigen schattigen Platz schaue ich hinunter, den Schulplatz, welcher nicht immer so einsam ist, wie zu dieser Stunde, sondern oft sehr lebendig, wimmelnd von den jugendlichen Scharen, welche das langgestreckte