Chapter

Die alte Uhr und Kate

Es war Frühling, ich lag auf dem Rücken und schlief in den lichten, hellhörigen Morgen hinein. Einmal öffnete ich die Augen ohne zu erwachen und sah blendende Goldflammen zwischen den grünen und stillen Welten der Bäume vorm Fenster. Während ich schlief und die Stille mein Haupt wie ein Wasser überrieselte, war ich meiner selbst soweit bewußt, daß ich ein tiefes Behagen fühlte, mein Herz strömte über von Traumglück, so daß es mich fast weckte. Schlafend war es mir gegenwärtig, daß Frühling war! Es wimmelte in meinem Kopf, es war, als ob flutende, blinde Kräfte mich zwingen wollten, mich zu rühren, zu springen, zu fliegen, und doch war ich gefesselt wie für ewige Zeiten. Da merkte ich, wie etwas schwieg, etwas unendlich Feines und Zartes, etwas was nicht mehr war, was ich nicht mehr hörte. Langsam wurde es mir klar, daß meine Taschenuhr auf dem Tisch neben mir stehen geblieben war. ... Und lange, lange nachher tönte es mir im Schlaf wie ein feiner, klingender Nachhall im Ohr: Die alte Uhr ist tot! Und ich sah die hohe, gemalte Wanduhr meines Großvaters wieder vor mir, die meine früheste Kindheit in Ewigkeiten und Ewigkeiten eingeteilt hatte – vor langer Zeit. Mir war, als sähe ich die alte Uhr und meinen Großvater gleichzeitig vor mir, als seien sie ein und dasselbe Wesen geworden. Und während ich die übernatürliche und doch vertraute Gestalt sah, war ich mir selbst ebenso fern

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