Erstes Kapitel
1. Welch eine wackere Stadt war doch Amsterdam! Des Nordens Venedig, könnte sie wohl bis zum heutigen Tage noch eine stolze Meereskönigin seyn, hätten nicht neidische Mächte sie dem großen Vaterland entfremdet. Die weltberühmte Kaufstadt, im mächtigen Bund der deutschen Hansa einst ein edles Glied, ruht wohl noch wie sonst auf ihrem umgekehrten Mastenwald, anzuschauen wie vor Zeiten in ihrer schmucken Eigenthümlichkeit, Insel an Insel, durch zahllose Brücken und Stege verbunden. Nicht minder beleben Handel und Wandel den Hafen, die Schiffslagen, Graften, Gassen, Schüttböden, Niederlagen, Laden und Schreibstuben; doch im Vergleich zu ehedem ist der Ruhm abgeblaßt, der Reichthum eingeschrumpft, der Handel zum Kram geworden. Und immer noch geht’s mit selbigen drei Dingen zu Thal, wie vor zwei Jahrhunderten, nur daß es damals nicht so merklich war, oder vielmehr noch gar nicht zu spüren, denn die Kaufherrn von Amsterdam wurden immer schwerer und dachten nicht von weitem daran, daß sie bereits die Zukunft ihrer Enkelkinder unterwühlten. Solche trübe Gedanken waren am wenigsten jemals dem guten Alard Monsen zu Häupten gestiegen. Sein Name war zwar keines der großen Gestirne am Börsenhimmel, doch aus dem Wandelplatz der Kornhändler fiel sein Wort ziemlich gewichtig in die Wagschale. Sein Haus stand nicht gar weit davon; zwischen der alten und der neuen Brücke kehrte es, schmal und