Chapter

Mutters Bett

Ehemals war der Lautdümmelhof von einem der ebensten und schönsten Ackerfelde des Wiener Beckens umgeben, und jetzt steht er auf dem Gipfel eines steillehnigen Hügels. Der alte Bau kam nicht etwa durch ein merkwürdiges Naturereignis in eine andere Lage. Er befindet sich wahrhaftig auf seinem alten Platze, aber seine Umgebung wurde von den Menschen gründlich verändert. Unter der wohlgedüngten Erde des Ackerfeldes war ein tiefes Lehmlager gewesen, und der Leopold Lautdümmel, den man zu seinen Lebzeiten für einen sehr gescheiten Mann hielt, glaubte vernunfthalber aus dem Lehm Mauerziegel machen zu müssen. Er wurde aus einem Bauern ein Ziegelbrenner, und dann verwüstete er mit seinen Geschäftsunternehmungen seinen Grund und Boden auf eine heillose Art. Der Hügel, welcher den Lautdümmelhof trägt, ist also in Wirklichkeit ein Bodenstück, das man inmitten einer ausgedehnten Lehmgrube auf seiner Stelle beließ. Dem Lautdümmel war um sein Feld nicht leid, denn er brachte es durch das Ziegelgeschäft tatsächlich zu dem Gelde, auf welches er gerechnet hatte. Er hinterließ das Geld seinen Kindern, und diese verbrauchten es. Jetzt besaß sein Enkel, der Georg Lautdümmel, den baufälligen Hof und die nasse Lehmgrube. An Lehm war für den Georg nicht viel übrig geblieben, er betrieb die Ziegelschlägerei nur mit einem einzigen Gehilfen. Bei seinem großen Grundbesitze war er ein ziemlich armer Mann.

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