Moosburg im Herbst
Zur Linken von einem massigen Bergkegel beschirmt, der seine dunklen Schatten weit in das Thal wirft, breiten sich auf der langhingedehnten Oberfläche einer felsigen Anhöhe die großartigen Ruinen einer jener Burgen aus, an denen Tirol so reich ist. Lange Jahrzehnte hindurch stand die Moosburg in märchenstiller Verlassenheit, aber in den dreißiger Jahren unseres Jahrhunderts hatte ein romantisch gesinnter Ausländer das interessante Felsennest käuflich erworben, und nun „sproßte neues neues Leben aus den Ruinen“, allerdings in modern romantischem Sinne. Noch standen die Grundmauern und Gewölbe, selbst die Eingangshalle des südlichen Flügels unversehrt. Der neue Besitzer ließ auf dieser Grundlage ein festgefügtes Wohnhaus emporwachsen, und schon schmückten Zinnen und Erker den in massigem Viereck aufstrebenden Bau, dessen zahlreiche Fenster gothische Bogen bildeten; ja, ihre in Rautenform bemalten Läden sahen, wenn man sie von fern erblickte, sogar wie alte Glasfenster aus. Das schwere, eisenbeschlagene Thor des Haupteinganges stammte wirklich noch aus vergangenen Jahrhunderten und führte in eine gewölbte Halle, durch deren schmale, schwere Thüren Generationen aus- und eingeschritten waren. Von dieser alterthümlichen Halle aus führte nun freilich eine ganz moderne Holztreppe zu den Wohnräumen des ersten und zweiten Stockwerkes hinauf. Jener Fremde nun, welcher sich diese