Mutter und Heldin
Auf dem Feldweg, der vom Schloß Baronniere zwischen den keimenden Wintersaaten nach der Heide hinausführte, erging sich im lang ersehnten Sonnenschein des Vorfrühlings eine junge Frau mit ihren zwei Kindern, einer neunjährigen Tochter und einem siebenjährigen Sohne. Daß es eine Dame von hohem Adel war, verriet beinahe nur die Art und Weise, wie sie mit ihren Kindern umging, denn ihre Kleidung war sehr schlicht, ihre Gesichtsfarbe konnte an ländlicher Frische mit derjenigen irgend eines Bauernmädchens wetteifern, die Hände, welche freilich nur Auserwählte zu fassen bekamen, fühlten sich fast rauh an. Ihr Gang, ihre Haltung — ja, die waren königlich; aber das durfte von den meisten Töchtern des Boccage gesagt werden, jenes Landstriches, welcher das Herz der Vendée bildet. «Maman», fragte die kleine Marie-Jeanne, «hörst du? — Was ist das?» Aus einer dichten Reihe von Schwarzpappeln, die sich in einiger Entfernung über die gewellte Hochebene hinzog und den des Landes Unkundigen vermuten ließ, daß die Bäume einen Bach beschatteten, scholl ein seltsamer Gesang. Langgezogene Töne folgten sich in melancholischem Rhythmus. Wie Litanei klang es. Doch ließen sich keine Worte unterscheiden. «Kommt», antwortete die Marquise de Bonchamps, «ihr werdet es gleich sehen. Ein rodierender Bauer.» Sie beschleunigten ihre Schritte und bogen auf einem ganz schmalen Pfad längs einer Feldmarche gegen