Chapter

1.

Mutter Lise, wie sie in Anerkennung ihrer »sonst wirklich guten Eigenschaften« von ihrer Schwiegermutter, der alten Frau Kommerzienrat Körber, genannt wurde, war eine »Mesalliance«. (Damals bedienten sich alte Damen, die ihre Jugend im Biedermeier gelebt hatten, bei solchen Gelegenheiten noch dieses Fremdwortes.) Die Frau Kommerzienrat entstammte einer adligen Familie, die freilich schon lange auf das Gehalt angewiesen war, das ihre männlichen Mitglieder aus Beamtenstellen zogen; außerdem waren viel Geschwister dagewesen. So hatte sie seinerzeit den Antrag des schwerreichen Großkaufmannes Anton Körber angenommen, der später Kommerzienrat geworden war. In solch einen Lebenskreis war Lise hineinversetzt worden; aus dem Hannöverschen gebürtig, Tochter schlichter Handwerkersleute. Aber sie war eine – wenn auch dem Urteil ihrer Schwiegermutter nach »zu unverleugbar bäuerische« – Schönheit. Karl Körber, der dritte Sohn der Frau Kommerzienrat, hatte sie in Hannover kennengelernt, wo sie als Köchin gedient und er das Polytechnikum besucht hatte. Sie hatten miteinander angebändelt, Lise war nur zu vernarrt in ihn gewesen, es hatte Geschichten gegeben. Als das Verhältnis ein Semester gedauert, war Karl, nach Beendigung seines Studiums, heimgereist, um sich mit Hilfe seines Vaters selbständig zu machen. Seine Absicht stand nichts weniger als darauf, Life zu heiraten, doch war ihm der

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