Chapter

Frauenleben in der Kalifenstadt.

Unvergeßlich bleibt mir der erste Morgen, der mir in der heutigen Capitale des alten Pharaonenlandes, im märchenhaften Kairo, aufging; unvergeßlich die ernsten, feierlichen Männerstimmen, die mich weckten, jener eigenthümliche Gesang, mit dem die Muezzin von den unzähligen, wie Pfeilspitzen in den Himmel strebenden Minarets der Kalifenstadt die Gläubigen zum Gebete laden; unvergeßlich vor Allem der Eindruck, welchen mir das bunte Gewühl auf den engen Straßen machte, das unaufhörliche Gedränge von Eseln und Pferden und langen Zügen beladener Kameele, durch die sich unter beständigem Eifern, Schreien und Schimpfen von Seiten der Thier- und Wagenlenker der Fußgänger nur mühsam windet. Aber gar bald wird man dieses ewigen Tobens und Lärmens müde und sehnt sich nach einem Augenblicke der Ruhe. In solchen Momenten flüchtete ich hinaus in die Allee riesiger Sykomoren, die nach den üppigen Gärten von Schubrah führt, welche die Harems Halim Paschas bergen. Der weiche, zarte Morgenduft schwebte noch über den grünen Feldern, die sich wie Teppiche zwischen den Landhäusern der Reichen an beiden Seiten der Straße ausbreiten. Schwärme von Pelikanen und Flamingos eilten hoch in den Lüften dem nahen Nile zu, während Ibisse und blendendweiße reiherartige Vögel auf den Feldern, wie bei uns die Störche, inmitten des weidenden Viehs umherstolzirten, zwischen den Reihen an Pfähle gebundener Büffel,

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