Der Stadtpfeifer
Erstes Kapitel Das war eine angstvolle Hochzeit! – Als der Weilburger Stadtpfeifer Kullmann mit seiner Braut vor den Altar trat, dröhnten dumpfe Kanonenschläge aus der Ferne herüber. Die Gemeinde war ohnehin diesmal klein beisammen, und wie nun gar die unheimlichen Töne den Leuten durch Mark und Bein schüttelten, schlich einer nach dem anderen sacht davon, und da der Pfarrer aus der Sakristei schritt, stand nur noch das Brautpaar mit den nächsten Angehörigen, dem Küster und einigen Hochzeitgästen in dem Chor der Dorfkirche. Der Siebenjährige Krieg hatte seine Verwüstung auch in die westlichen Gaue Deutschlands getragen; die Franzosen unter dem Herzoge von Broglie hielten das Lahntal und den Westerwald besetzt und suchten durch Niederhessen nach Hannover vorzudringen. Sie setzten eben dem Bergschloß Dillenburg heftig zu, und die wechselweise Herausforderung und Antwort der Geschütze war es, was in den Wölbungen der Kirche des benachbarten Ebersbach dem Hochzeitszug so schaurig in die Ohren klang. Den Stadtpfeifer überlief es kalt; er zitterte nicht, er war auch nicht mutlos, aber er hörte auch nicht die Worte des Pfarrers. So schneidend war es ihm noch nicht in die Seele eingegangen, welch große Verantwortung er auf sich nehme durch die Verheiratung in so ungewissen Tagen, als jetzt, wo die Kanonen ihm zum Altare läuteten. Die Braut an seiner Seite hatte nicht geweint; die roten