Chapter

Michel

Luise Dietterle zum Gedächtnis Ein Leuchten auf dem schönen Angesicht – Ist's Abendglanz? Ist es schon Morgenlicht? Du weigerst jede Antwort, liebste Frau. Um dich ist Helle. Unser Tag ward grau. In einem fernen, sonnigen Frühjahr kam er vom Wald her gegen das Dorf gewandert. Am schäbigen Hut trug er einen grünen Busch, so groß, daß unter der Last das Hütlein schief auf dem ergrauten Kopf saß. Das gab dem Wanderer einen Anstrich von Jugend, von Übermut, ja von Leichtsinn, zu dem seine glitzernden Augen paßten. Zwei kleine Jungen saßen auf einem Haufen Straßensteine. Sie schauten neugierig nach dem Daherkommenden, und sein geschmückter Hut, sein Wanderstecken, sein pfiffiges Gesicht machten ihnen Eindruck. »Wo kommst du her?« fragte keck der eine den Nahenden. »Aus Nirgendheim, wo die Brennesseln wild wachsen.« »Wo gehst du hin?« »Nach Nochnichtdort, wo das Wasser bergunter läuft.« Die zwei kletterten interessiert von ihrem hohen Sitz. »Was tust du dort?« »Schnecken abrichten, daß sie bellen wie die Hunde.« Der Fremdling bückte sich und nahm eine Weinbergschnecke aus den Steinen auf. Sofort erscholl leises Hundegebell. Den zwei Knirpsen wurde absonderlich zumute. Vielleicht wenn einer von ihres Vaters Knechten oder ein Bekannter 6 aus dem Dorf ihnen so geantwortet hätte, wäre ihren arglosen Seelen die Schnödigkeit der Rede zum Bewußtsein gekommen; aber diesem fremden Wandersmann

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