Im Wirtshaus zum roten Stern
In der Schenke zum rothen Stern herrschte lautes, fröhliches Treiben. Die große, niedrige Gaststube summte und brauste wie ein Bienenkorb und die kargen Unschlittkerzen auf den Tischen, welche röthlich durch den dichten Tabaksqualm brannten, ließen erkennen, daß alle Plätze gedrängt besetzt waren. Es waren lauter Leute aus den untern Ständen, Arbeiter verschiedenen Schlags, gewohnt, sich hier bei starkem Bier und derber Kost von schwerer Arbeit zu erholen. An diesem Abend aber floß das schäumende Getränk reichlicher, als es sonst die schmalen Einnahmen gestatteten; die Zeit, bis zu welcher sonst die Erholung zu dauern pflegte, war schon lange überschritten und auch die Unterhaltung war eine viel lebhaftere und bewegtere als gewöhnlich. Dafür war es auch ein allgemeines Freudenfest, das gefeiert wurde, und die ergiebigste Quelle der Heiterkeit in diesen Kreisen, die Quelle aus dem Fasse, floß heute unentgeltlich. Die erste Regierungshandlung des neuen Herzogs war die Abschaffung der verhaßten und so verhängnißvoll gewordenen Verbrauchssteuer gewesen. Diese Maßregel hatte ebenso großen Jubel hervorgerufen, als der Unwille über die Belastung der täglichen Bedürfnisse ein tiefer, und allgemeiner gewesen war. Um diesem Jubel einen öffentlichen, gewissermaßen amtlichen Ausdruck zu geben, hatte die Verwaltung der Hauptstadt beschlossen, an einem bestimmten Tage an mehreren Orten