Der Abschied
Es war ein grauer, nebliger Morgen. Warmer Südwind war zwischen den hohen Bergen, welche den Horizont abgrenzten, hervorgekommen und hatte unvermuthet rasch in wenigen Tagen die Schneemassen zum Schmelzen gebracht. Jetzt wehte es trocknend über die erweichten Fluren hin; war aber die Luft ruhig, dann stieg die reichlich eingesogene Feuchtigkeit in Dämpfen darüber empor: kurz, Alles schien auf einen rasch und ungewöhnlich früh entwickelten Frühling zu deuten. Friedrich hatte bereits einige Stunden am Arbeitstische gesessen, als Beppo leise an die Thür klopfte und auf Friedrichs Ruf mit der Frage eintrat, ob es ihm gefällig sei, zum Frühstück zu kommen, die Frau Räthin erwarte ihn. »Schon so spät?« rief Friedrich und sprang auf, seinen Anzug zu vollenden. Beppo ging ihm dabei an die Hand, trug die verlangten Kleider herbei, räumte den Schlafrock weg und hielt ihm zuletzt den Rock ausgebreitet hin, sodaß Friedrich nur hineinzufahren brauchte. Wie es geschehen war, machte sich der Alte etwas am Rockschoß zu schaffen, indem er sich niederbeugte und that, als ob er ein Stäubchen wegputzen wolle, von dem aber in Wirklichkeit nichts zu sehen war. Mit einem Mal fühlte Friedrich einen warmen Tropfen auf seine Hand fallen; überrascht sah er Beppo an und bemerkte jetzt erst, daß ihm die Thränen dicht über die Wangen liefen. »Was hast Du denn, närrischer alter Mensch?« fragte er ihn