Chapter

Der Bierkeller

Der Augustinerkeller war um diese Zeit normalerweise leer, aber Resi wusste, dass die normalen Regeln nach Mitternacht nicht galten. Sie arbeitete seit drei Jahren als Kellnerin im Hofbräuhaus und hatte gelernt, dass München zwei Gesichter hatte: das der Touristen und Geschäftsleute bei Tag, und ein anderes, älteres, das sich erst zeigte, wenn die letzten Gäste gegangen waren und die Stadt ihren Atem anhielt. In dem Gewölbe unter dem Keller, das auf keinem Grundriss erschien, saßen sie um einen runden Tisch aus Eichenholz, das so alt war, dass es versteinert schien. Sieben Männer und Frauen, deren Familien seit Generationen die Magie Münchens hüteten — die Kraft der Ley-Linien, die sich unter dem Marienplatz kreuzten, die Energie der Isar, die durch die Stadt floss wie eine Ader aus flüssigem Silber. Resi hatte sie zufällig entdeckt, als sie eines Nachts einem Geräusch gefolgt war, das aus den Kellerwänden kam — ein Summen, tief und gleichmäßig, das in ihren Knochen vibrierte. Sie hatte eine Tür gefunden, wo keine sein sollte, und dahinter diese Welt, die unter der Stadt existierte wie ein zweiter Herzschlag unter dem ersten.

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