Chapter

Erstes Kapitel. Der Schlemiehl

Im Ghetto oder Judenviertel einer reichen Handelsstadt Deutschlands lag ein kleines, in einem engen Seitengäßchen verstecktes, verräuchertes und unansehnliches Haus. Seit vielen Jahren war nichts daran geschehen, was ihm eine freundlichere Außenseite hätte geben können. Der ursprüngliche Anstrich von lichtem Grün hatte sich im Laufe der Zeit, vielleicht eines halben Jahrhunderts, in ein schmutziges Schwarzgrau verwandelt und an einzelnen Stellen war der Kalkanputz ganz und gar abgefallen, so daß die dunkelbraunen Ziegelsteine der Wand nackt und blos zu Tage lagen, was dem Hause ein vollends verwahrlostes, fast verwittertes Aussehen gab. Dieser Eindruck wurde noch erhöht durch die schmalen, mit trüben, erblindeten, von Staub und Spinneweben überzogenen Fenster, deren unterste Reihe stark mit Eisenstäben vergittert war. Sie sahen aus, als ob sie in Jahr und Tag nicht geöffnet worden wären, um ungehindert Licht und frische Luft in die inneren Räume des Hauses einströmen zu lassen, und blank geputzt waren sie vielleicht nicht, so lange überhaupt das Haus stand. Hatte in solcher Weise die Außenseite des alten Gebäudes einen öden, beinahe unheimlichen Anstrich, so sah es dagegen im Inneren desselben, namentlich im Erdgeschosse, desto bunter aus. Zur Sommerszeit besonders, wo die Hausthüre vom frühen Morgen an bis zum dunkelnden Abend immer sperrangelweit offen stand, ausgenommen

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