Der Tote Im Moor
Der Nebel hing so tief über dem Moor, dass Kommissarin Petra Sievers die eigene Hand kaum sehen konnte, als sie sie ausstreckte. Der Pfad war schmal, gesäumt von braunem Heidekraut und schwarzen Wasserlöchern, die still und bodenlos wirkten. Ein Hund hatte den Toten gefunden — ein Jagdhund, der eigentlich Fasane aufscheuchen sollte und stattdessen bellend an einer Stelle stehen geblieben war, wo das Gras plattgedrückt und dunkel verfärbt war.
Der Mann lag auf dem Rücken, die Augen offen, als hätte er den Nebel angestarrt, bis dieser ihn verschluckte. Er trug Wanderkleidung, einen teuren Rucksack und hatte keinerlei Ausweispapiere bei sich. Der Gerichtsmediziner kniete neben ihm und schüttelte den Kopf. Kein Sturz, kein Herzinfarkt — die Striemen am Hals waren eindeutig.
Das nächste Dorf, Moorhagen, lag drei Kilometer entfernt und hatte zweihundert Einwohner. Als Petra dort eintraf, standen die Leute vor dem einzigen Gasthof und schwiegen. Nicht das Schweigen von Menschen, die nichts wussten, sondern das Schweigen von Menschen, die zu viel wussten und sich einig waren, es für sich zu behalten.