Mondschein
Abbé Marignan trug seinen Schlachtennamen Marignano, heute Melegnano in der Lombardei. Sieg der Franzosen über die Schweizer 1515 und über die Österreicher 1859. (Anm. d. Übers.) mit Recht. Er war ein großer, hagerer, fanatischer Priester, etwas überspannt, aber grundehrlich. Sein Glaube stand felsenfest. Nie kam ihm ein Zweifel. Er meinte seinen Gott genau zu kennen, seine Wege, seinen Willen, seine Absichten. Wenn er mit großen Schritten in der Allee seines kleinen Pfarrgartens auf und nieder ging, stieß ihm manchmal die Frage auf: »Warum hat Gott das gemacht?« Dann suchte er beharrlich, indem er sich in Gedanken an Gottes Stelle versetzte und fand fast immer eine Antwort. Er war nicht der Mann, in frommer Demut zu sagen: »Herr, deine Wege sind unerforschlich!« Nein, er meinte: »Ich bin Gottes Diener! Daher muß ich die Gründe seiner Handlungen kennen und wenn ich sie nicht kenne, muß ich sie erraten.« Ihm erschien alles in der Natur mit bewundernswerter, strenger Logik geschaffen. Das ›Warum‹ und, das ›Darum‹ hielt sich immer die Wage. Das Morgenrot war geschaffen zu einem fröhlichen Erwachen, der Tag zum Reifen der Ernte, der Regen, sie zu begießen, die Abende, in den Schlaf hinüberzuleiten und die dunkle Nacht zur Ruhe. Die vier Jahreszeiten entsprachen völlig allen Bedürfnissen der Landwirtschaft, und der Gedanke wäre dem Priester niemals gekommen, daß die Natur keine