Mohammed und sein Werk
Mohammed und sein Werk. Ein Vortrag von Johannes Scherr. Als ich zuletzt die Ehre hatte, in diesem Sale[1] zu sprechen, war mein Thema die Erscheinung jener lotharingisch-französischen Patriotin, die Gestalt und die That der Jeanne d’Arc, welche im 15. Jahrhundert den Anstoß zur Befreiung ihres Vaterlandes von der Zwingherrschaft der Engländer gegeben hat. Vom 15. Jahrhundert in’s 7. und 6., vom Mädchen von Orléans zum Propheten von Mekka ist ein weiter Rücksprung. Der Unterschied zwischen diesen beiden weltgeschichtlichen Figuren stellt sich beim ersten Anblick als ein so bedeutender dar, daß er bis zur Bizarrerie zu gehen scheint. Ein genaueres Zusehen und Vergleichen ergiebt jedoch eine unbestreitbare Aehnlichkeit. Ich meine damit nicht etwa den Schein des Wunderbaren, welchen die Laufbahn des orientalischen Religionsstifters und der occidentalischen Landbefreierin aufweisen, sondern vielmehr die Aehnlichkeit, daß in der glänzenden Gestalt des arabischen Helden, wie in der schlichten der Heldin von Domremy gleichermaßen eine große Wahrheit als weltgeschichtliche Thatsache hervortrat, — die Wahrheit: Nicht der klügelnde Verstand, nicht die besonnen rechnende und abwägende Bücher- und Kathederweisheit zeugt und wirkt die großen, die Menschen-, Völker- und Menschheitsgeschicke beginnenden und bestimmenden Gedanken und Thaten, wohl aber thut das jener heilige Sturm und Drang des