Erstes Buch: Gottes Wort auf dem Lande
Hoch wölbt sich der dunkelblaue Himmel über der Erde. Auf der Erde dehnen sich weit die grünen, flachen Felder. Zwischen den Feldern steht ein Häuschen mit weißen Mauern; daneben schwillt das reiche Laub des Baumgartens über den Zaun. Ueber dem Hause blickt ein rother Kirchthurm hervor. Dahinter dehnt sich ein Dorf mit seinen verwitterten Strohdächern. Die friedliche Ruhe eines sonnigen Juninachmittags hat sich über die flache Landschaft gesenkt. Das weiße Häuschen ist durch den Kirchthurm selbst als das Pastorhaus bezeichnet. Vor dem Hause im Schatten des Gartens sitzen Pastor Wagners am weißbedeckten Tische und trinken das gewohnte Schälchen Kaffee. Der alte Herr Pastor sitzt in einem Rollstuhle, eingehüllt in den Schafpelz von bescheidnem Ansehn, das gichtische Bein über den Schatten des Fliederstrauches hinaus in den stechenden Sonnenschein streckend. Nur wenige graue Haare kommen unter dem verschossenen Sammetkäppchen hervor; die Gesichtsmuskeln haben ihre Spannung verloren und lassen die Lippen aufgeworfen weit über die zahnlosen Kiefern hinaushängen; das Licht der Augen ist erstorben; die Augenbrauen fehlen fast ganz und in tiefen Falten zieht sich die Stirn zusammen. Der Anblick des alten Mannes zeigt die gebrochene Kraft des Geistes wie des Körpers. Ihm gegenüber sitzt die Frau Pastorin, ihre Blicke theilend zwischen dem Strickzeuge und dem kranken Gatten. Auch bei ihr