Erstes Kapitel
Ein sommerwarmer Novembertag lag mit Sonnenglitzern über der Hauptstadt, und Unter den Linden drängte eine tausendköpfige Menschenmenge auf und nieder. An den kahlen Ästen der Lindenbäume flatterten noch ein paar welke Blätter als trübselige Reste der grünen Sommerfahnen. Die bunte Menge der Promenierenden aber strahlte und lachte mit dem Spätsonnenschein um die Wette, ging in der sorglosen Freude des Augenblicks auf und ließ das winterdrohende Morgen Morgen sein. Nur ein älterer Herr, der durch das Brandenburger Tor in die Linden einbog und sich langsam durch das Gedränge wand, schien für das späte Naturfeiern und die angeregte Stimmung der Hauptstädter kein Auge zu haben und nicht daran teilzunehmen. Der schwarze, schlappe und verstaubte, nachlässig eingebeulte Filzhut, der den eckigen Kopf bedeckte, war in die Stirn gezogen und beschattete ein Paar kühle, tief in den Höhlen liegende Augen. Ein gelber Überzieher in englischem Schnitt hüllte die lange Gestalt vom Hals bis zu den Knöcheln ein und war dem Mann trotz des leichten Stoffes beim Gehen hinderlich. Müßige drehten sich zuweilen nach dem gelben Monstrum von Überzieher und seinem Träger um und beehrten beide im Vorübergehen mit einer Art Geringschätzung – das glattrasierte, blasse Gesicht des Mannes blieb unberührt. Selbst der ziemlich laute Spottruf eines halbwüchsigen, naseweisen Bengels in der weißen Tracht der