Menschendämmerung
Am dreißigsten November des Jahres 1770 wurde zu Memel einem Infanterie-Unteroffizier namens Schönherr ein Sohn Johann Heinrich geboren, der sich nachmals für das Licht aus der Hütte und den neuerlich gesandten göttlichen Mittler hielt. Die Eltern übersiedelten nach Angerburg, in die Heimat der Mutter, hier besuchte das Kind die Stadtschule. Die Verhältnisse des Hauses waren zwar dürftig, aber doch nicht so armselig, um den Sohn zu einem kümmerlichen Taglöhner zu bestimmen. Er sollte Kaufmann werden, und man schickte ihn nach Königsberg zur Lehre in eine Handlung. Für den in engen provinzialen Zuständen aufgewachsenen Knaben mußte diese Hauptstadt von Ostpreußen wie die unendliche eröffnete Welt selbst wirken: altertümliche Straßen und Plätze, hochgiebelige Häuser mit riesigen Speichern, die Kanäle des Pregel, wo die Schifferkähne aus dem Landinnern Waren zum Hafen führen, eine Bevölkerung von Fischern, Fuhrmännern, Handwerkern, Seeleuten, zusammengefaßt und beherrscht von reichen Kaufherren, deren Geschäfte Beziehungen zu ganz Deutschland und über das Meer hinaus nach England und Skandinavien, gegen Osten nach Rußland mit sich bringen, diese ganze irdische Masse wiederum vergeistigt und erhöht durch eine alte und berühmte Universität, die den Stolz der Stadt, den Ruhm der ganzen Landschaft ausmacht. Eine notwendige geistige Richtung nach dem Helldunkel eines Weltgefühls und