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Geleitwort

Geleitwort. Die jüdische Literatur besitzt leider nur sehr wenige Memoirenwerke. Aus dem jüdischen Leben in Russland kenne ich nur ein einzige, die »Zapiski Jewreja« von Gregor Isaakowitsch Bogrow. Diesem Werke, das uns einen tiefen und charakteristischen Einblick in das Leben und Treiben der Juden in Russland zu Anfang des vorigen Jahrhunderts eröffnet hat, schliessen sich die Memoiren der Pauline Wengeroff ebenbürtig an. Mit inniger Liebe und großer Pietät, mit seltener Treue und aufrichtiger Wahrhaftigkeit, mit einem milden verklärenden Humor und mit feinem psychologischem Takt erzählt sie uns wichtige Episoden aus einer grossen Übergangszeit, aus der Zeit, in welcher die Aufklärung unter den Juden in Russland die Nebel, die bis dahin über dem russischen Judentum lagerten, zu durchbrechen begann, aus einer vielbewegten, interessanten, merkwürdigen Periode, deren Geschichte noch nicht geschrieben ist, sondern erst dann geschrieben werden kann, wenn wir noch eine ganze Reihe solcher Memoiren besitzen werden. Die russischen Juden haben in den letzten Jahren im Vordergrund des öffentlichen Interesses gestanden. Ihre Schicksale und Leiden haben die Teilnahme der ganzen Kulturwelt gefunden. Natürlich hat man sich auch viel mit ihren Charaktereigenschaften, mit ihrer Geschichte und mit ihrer Literatur beschäftigt. Erst dadurch kam weiteren Kreisen die Erkenntnis, welch ein reicher

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