Erster Teil
Dieses Werk kann nicht anders als unvollkommen sein. Vollkommene Kunstwerke werden erst wieder möglich sein, wenn der Künstler von neuem in einer sicheren Weltanschauung wurzelt, deren Gehalt er nicht selbst zu entwickeln braucht, sondern bei dem Leser als bekannt und anerkannt voraussetzen darf. Davon ist heute in dieser größten Wendezeit seit der ausgehenden Antike nicht die Rede. Ein Werk zählt schon mit, wenn es sich bemüht, den Sinn bewußt zu machen, der durch all das Zeitchaos hindurch nach Ausdruck und Gestalt ringt. Falls man diesem Buch nichts anderes als solches Verdienst zuerkennen wollte, würde sich der Verfasser reichlich für seine Mühe belohnt fühlen. Das Land Harringen wird der Leser vergeblich auf der Karte suchen. Trotzdem muß ich ihm zumuten, während des Verlaufs dieser Erzählung an die Wirklichkeit dieses Landes zu glauben. Mit Vergnügen wird er sagen, das ist offenbar eine phantastische Geschichte. Nein, das ist es nicht, und darin liegt die Zumutung an den Leser, daß die Handlung innerhalb unserer bekannten europäischen Welt spielt und doch zum großen Teil in einem erfundenen Lande. Wer von dieser Einleitung noch nicht genug hat, der lasse sich über das Land Harringen folgendermaßen belehren: es ist zwischen Österreich und Bayern gelegen und hat ungefähr die Größe eines dieser beiden Länder. Wie diese ragt es im Süden in die Alpen hinein. Gen Norden dacht