Erster Teil
Eine Wand aus blauschwarzen Wolken zog über die Stadt. Als sie mitten über der Weser stand, schickte sie ein volles Maß von eiskaltem Wasser prasselnd über die Dächer und Straßen. Der Wind fuhr darein aus Nordost und sorgte dafür, daß dieser Guß in wohl ausgerichteten, schrägen Strahlen hernieder kam. Die sauberen Straßen waren vom Übermaß der Regen blank gewaschen. Dann schob der Wind den blauschwarzen Vorhang weiter. Aus den letzten zerfaserten Rändern her blinzte unvermutet die junge Sonne mit einem kalten Licht, das in die Augen stach und sich im Widerschein der blanken Nässe vertausendfachte. Die dunkle Stadt wurde mit einem Male hell. In das Frösteln aus Wind und Regen und schräger Sonne, in die unwirsche, feuchte Luft und das drohende Gewölk stellte sie das junge Grün aus vielen Bäumen, sprießendes Buschwerk der Wälle und, aus endlosen Reihen kleiner Vorgärten, frühes und eigenwilliges Blühen von Krokus, Forsythien und Stiefmütterchen. Es wehrte sich jedes freie Stückchen Land und Erde gegen einen Winter, der nicht enden wollte. – – – Eberhardt Melchior hockte in dem alten Plüschsessel, der noch ein Erbstück von Urgroßvater Jakob war, und sah mit milder Verschlafenheit in den Wechsel von blauem Dunkel und stechender Sonne. Er nahm an diesen Vorgängen nur geringen Anteil. Zu dem Sauerbrunnen, den man ihm 8 vorsorglich auf sein Zimmer gestellt hatte, wünschte er sich mit