Heimkehr
Bei meiner Heimkehr traf ich meine Christiane und ihren Vater nicht mehr in dem großen Hause und dem schönen Garten auf der Norderstraße; dieses war durch das Bombardement in Asche gelegt worden. Sie hatten nun eine beschränkte Wohnung an der Ecke der Büngaard-Gasse; aber der Alte hatte sein Bestes, seine Gemüthsruhe und die stille Munterkeit, gerettet. Er liebte wie früher Sprachstudien, Musik und mechanische Beschäftigungen. Mit Christiane besuchte ich die Gräfin Schimmelmann, die sie lieb gewonnen hatte und beständig bei sich sah. Auch mit dem Herzoge von Augustenburg hatte Christiane auf eine sonderbare Weise Bekanntschaft gemacht. Sie war gerade eines Tages mit der Gräfin in deren Schlafkammer, als der Herzog sich melden ließ. Die Gräfin Schimmelmann, die oft gute Einfälle hatte, bat nun Christiane — sie hatte gerade ihren reichen Haarwuchs bewundert — die Flechten aufzulösen, und sie von dem Kammermädchen so zurichten zu lassen, daß sie in den Haaren verborgen wie in einer Glocke stand. Darauf ging die Gräfin zum Herzog, und bat ihn, eine junge Dame mitbringen zu dürfen, welche wünschte, die Bekanntschaft seiner Durchlaucht zu machen. Und nun trat eine Gestalt ins Zimmer, von der man bis auf die Füße nichts weiter sah, als das reiche glänzende blonde Haar. — Auch die Bekanntschaft König Friedrichs VI. hatte Christiane auf eine eigenthümliche Art gemacht. Als die zwei