Meine Freundin Lo
Lo ist eine Schauspielerin des »Grand-Guignol«, jung, hübsch, und eine Meisterin in den Künsten des Vergnügens. Die Vergnügen selbst haben noch nicht den äußeren Glanz, den sie im Schwung von Los Laufbahn annehmen werden, man könnte nicht sagen, daß sie ausgehalten sei, sie kleidet sich einfach, aber besser als ihre erfolgreichsten Freundinnen je tun werden, der Ruhm, der ihr von ihren Herzenseigenschaften kommt, ist groß auf dem rechten, wie auf dem linken Ufer der Seine. Sie ist niemals naiv, außer in den ihr eigentümlichen jähen Einfällen und ihren geduldigeren Erfindungen. Die Schauspielerin ist zehntausend Francs wert, die Frau gerade noch unentdeckt. Das Gefühl, daß dieser idyllische Zustand nicht mehr lange anhalten wird, macht sie interessant und besonders 6 reizvoll natürlich für ihre Freunde, die sie abwechselnd, aber jeder mit ganzer Hingabe lieben. Morgen wird sie die teuerste Göttin der Schönheit sein, und der alsdann vergoldete Leib wird im Hintergrund der Jünglingsträume stehn wie die Grottenvenus im Garten bei Bullier, wo die Studenten tanzen. Es gehört keine außergewöhnliche Phantasie dazu, um in Los Gesellschaft die Freuden der großen Welt zu genießen, in die man sonst nur vom vierten Rang des Theaters oder, auf den Fußspitzen, vom Trottoir hineinsieht. Die ganz teuern Toiletten . . . oh, denen kann man täglich und überall in Paris begegnen. Und die Lo, die